Wir möchten euch etwas «live» erleben lassen, wie Judith Bräuninger, eine deutsche Kurzzeitmitarbeiterin, das Leben und Arbeiten auf unserem Ausbildungszentrum in Costa Rica erlebt!

Judith O-Ton:

«Meine letzten Wochen waren sehr interessant. Es ist nicht mehr alles faszinierend neu, trotzdem aber noch vieles faszinierend und manches neu.

Zu jeder Mahlzeit gehört „Gallo Pinto“ – Reis mit Bohnen, das costa-ricanische Nationalgericht. Erstaunlicherweise schmeckt das sogar morgens. Zur Mittagspause gehört guter costa-ricanischer Kaffee.

Die meiste Zeit hier ist natürlich mit Arbeit gefüllt, welche mir grossen Spass macht. Die meiste Zeit arbeite ich mit Lisa. Sie ist auch Kurzzeitmitarbeiterin und fast mit mir zusammen ausgereist. Arbeit heisst jeden Morgen Hühner und Schweine versorgen, pro Woche einen halben Tag im Gemüsegarten und einen halben Tag im Büro arbeiten. (Siehe Bilder unten).  Ansonsten Früchte ernten, Kinder hüten, Schlüssel sortieren, Akten einscannen, ein neues Kräuterbeet für die Köchinnen anlegen, ein Wandbild auf eine neue Mauer malen, Saft pressen, Unkraut zupfen (raus-reissen würde bei der Menge eher zutreffen), Pflanzen setzen, beim Wocheneinkauf in der Stadt helfen, Hühner und Schweine schlachten (ja, wirklich. Wird das mein neues Hobby? -😊 Nein, ich denke nicht. War das trotzdem eine wertvolle Erfahrung? -Ja, sehr. )

Dann den Unterrichtsraum für den Bibelkurs herrichten, alte Wandfarbe abkratzen, Wege und Flächen mit dem Hochdruckreiniger putzen, Eier an die Abnehmer im Dorf verkaufen, einen Graben für ein Erdungskabel schaufeln und so manches mehr. Die Abwechslung macht die Arbeit sehr interessant und ich habe viel Freude am Mitgestalten und Helfen.

Was natürlich auch zu meinem Alltag hier gehört sind die Menschen. Dazu gehören neben Lisa hauptsächlich die zwei Missionarsfamilien Mosimann und Porras. Letztere sind Ticos (Costa-Ricaner mit spanischer Abstammung, also keine Indigenen).

Zu den Menschen auf der Finca zählen neben anderen auch die drei einheimischen Angestellten Arturo, Fernando und Rigo (Rodrigo). Alle drei sind um die 60 Jahre alt und absolute Arbeitstiere. Sie sind Ultra freundlich und haben immer eine helfende Hand. Ihre herzliche Art ist sehr angenehm und sie haben grossen Einfluss auf mich und meine Zeit hier. Besonders mit Rigo habe ich viel Kontakt, da er als Verantwortlicher für die Hühner uns in unsere Arbeit eingewiesen hat und wir ihn fast jeden Morgen sehen.  Der Kontakt mit ihnen ist sehr wertvoll für mich und ich habe sie sehr schnell ins Herz geschlossen.

Wenn die Natur auch nicht mehr so überwältigend ist wie am Anfang, ist sie immer noch beeindruckend und ich hoffe darauf, das Staunen nie zu verlieren. Es gibt in dieser Vielseitigkeit immer neue Dinge zu entdecken und es ist spannend, welche Tiere und Pflanzen einem ins Auge fallen. Mittlerweile gehören Kröten, Kakerlaken, Glühwürmchen, Leguane, schwarze Eichhörnchen und nach 4 Wochen auch endlich Schlangen zu den gesichteten Tieren. Auf die Suche der sich oft bemerkbar machenden Stinktiere mache ich mich noch.

Kulturunterschiede hatten wir vom 23. September bis 15. November 2019 hautnah auf der Finca: Die 15 Indigenen für den Bibelkurs waren da und brachten viel Leben mit! Menschen, die man sich (zumindest spreche ich von mir) eher als ungebildet und abgeschottet vorstellt, haben mich eines Besseren belehrt. Manche leben wirklich sehr abgelegen ohne Strassenanbindung und Internet, andere sind in kleinen Dörfern aufgewachsen und haben Handys wie man sie von uns kennt. Meistens kann man die Menschen anhand ihrer Art und ihrem Auftreten ungefähr in ihr Umfeld einordnen. Sie beobachten viel und manche wirken ziemlich reserviert. Wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt, erzählen sie sehr gerne und ein wenig später sitzt man da – in einem Auge verdrückt man eine Träne, im anderen blitzt das Staunen auf. So eine Situation ist mir in dieser kurzen Zeit so oft passiert. Jeder dieser Menschen hat eine so unfassbare Geschichte, die so bewegend und hautnah wird, wenn man sie direkt von der Person vor sich hört. Ich habe den Eindruck, die Menschen aus den Reservaten sind grösseren Herausforderungen ausgesetzt, wie wir sie kennen. Sie befinden sich -um konkrete Beispiele zu nennen- inmitten von Alkoholismus, Drogen, sexuellen Missbräuchen, Hexerei, Selbstmord und Okkultismus. Dinge, die in den Reservaten leider gang und gäbe sind und zum Alltag gehören. Umso mehr fasziniert mich der feste Glaube, das fundierte und breit aufgestellte Bibelwissen und der Hunger nach noch mehr, den sie mitbringen. In mir bleibt das Gefühl, dass ich diesen Menschen nicht annähernd so viel geben kann, wie sie mir schenken und was sie mich lehren. Ich wünsche jedem von Herzen, einmal mit Indigenen in Kontakt zu kommen und sich davon dankend bereichern zu lassen. Viel zu sehr habe ich sie in mein Herz geschlossen und bin dankbar, sie kennen zu dürfen und gleichzeitig fürchte mich vor dem Loch, das sie mit ihrer Abreise hinterlassen werden. Deswegen bin ich stets bemüht, die Zeit umso mehr zu geniessen.

Die Arbeit mit den Indigenen fasziniert mich sehr und bereitet mir grosse Freude und Spass. Ich geniesse es, eine andere Menschengruppe kennenzulernen, die meinen Horizont um ein Vielfaches erweitert. Es ist so wertvoll und ich bin mehr als dankbar, diese Chance zu bekommen.“

Was Judith sehr begeistert hat, war auch das bewegende Zeugnis (die Glaubensgeschichte) von Antonio!  Sie hat sich sogar auf den langen Weg gemacht, diese Geschichte von ihm direkt zu bekommen und zu übersetzen! Wir werden das Zeugnis in ein paar Tagen hier veröffentlichen, mit seiner Zustimmung!